Logo Kanton Bern / Canton de BerneVerkehrssanierung Aarwangen

Umfahrung

Die Umfahrungsstrasse wird Aarwangen vom Durchgangsverkehr entlasten können. Alle Infografiken: Les graphistes, Bern

Aufgrund einer Zweckmässigkeitsbeurteilung und einem Vorprojekt mit Mitwirkungsverfahren kristallisierte sich die Umfahrung mit der vorliegenden Linienführung als Best-Variante heraus.

Der entsprechende Projektierungskredit für die Umfahrungsstrasse wurde in der Volksabstimmung vom 21. Mai 2017 mit 60,1 % angenommen. Die vom überparteilichen Komitee «Umfahrung Aarwangen» vorgeschlagene Variante fiel in der Zweckmässigkeitsbeurteilung weg, weil sie unter anderem das Grundwasser sowie die Trinkwasserfassung Hard gefährdet und wertvollen Waldbestand mit den zugehörigen Wildtierkorridoren durchschnitten hätte.

Projektiert ist nun eine zweispurige, 3,6 Kilometer lange Strasse für den Durchgangs- und Schwerverkehr. Die neue Strasse zweigt nördlich von Aarwangen beim Kreisel Underbaan von der heutigen Kantonsstrasse Niederbipp-Langenthal ab, überquert die Aare auf einer Brücke, führt anschliessend nach ca. einem Kilometer in einen Tunnel und mündet bei Bützberg in die Kantonsstrasse Nr. 1 («Bern-Zürich-Strasse»).

Neubaustrecke

Die geplante Umfahrung entlastet die Ortsdurchfahrt von Aarwangen und weitere Strassen in der Umgebung vom Durchgangs- und Schwerverkehr. Berechnungen gehen davon aus, dass damit die Verkehrsmenge durch den Ortskern von Aarwangen halbiert werden kann und wesentlich weniger Lastwagen anzutreffen sein werden. Die Umfahrungsstrasse wird auch verlagerten Verkehr von anderen Strassen aufnehmen. An Werktagen werden auf der Umfahrung bis zu 14 000 Fahrzeuge erwartet.

Wie die Umfahrung aussieht

  • Die zweispurige, 3,6 Kilometer lange Strasse zweigt beim neuen Kreisel Underbaan an der Jurastrasse nördlich von Aarwangen von der heutigen Kantonsstrasse Niederbipp–Langenthal ab, unterquert die Aarwangenstrasse und die Bahnlinie Solothurn–Langenthal, die an dieser Stelle neue Brücken bekommen.
  • Im Gebiet Gumme quert sie die Aare auf einer 480 Meter langen Brücke, verläuft anschliessend entlang des Banwalds und über das Banfeld und überquert die Meiniswilstrasse.
  • Nach der Brücke zweigt mit einem Direktanschluss (von Norden Richtung Süden) eine Werk-Zufahrt zur Kiesgrube Risi ab.
  • Die Meiniswilstrasse führt durch eine Unterführung mit getrennten Fahrbahnen für Autos, Landwirtschaftsfahrzeuge und Fussgänger/Velos unter der neuen Umfahrungsstrasse durch.
  • Beim Spichigwald führt die Umfahrung in einen 500 Meter langen Tunnel.
  • Danach quert sie das Landwirtschaftsgebiet Risenacher (Bützbergtäli), führt entlang des Waldrandes
  • und mündet mit dem neuen Kreisel Tannwäldli in die Kantonsstrasse Bern–Langenthal.


Nicht mehr Teil des Projekts ist der Anschluss «Industrie Aarwangen». Am 19. März 2018 entschied der Gemeinderat von Aarwangen, diesen Anschluss nicht weiter zu verfolgen.

Die Aarebrücke

Für die Überwindung der Aare wird an ihrer schmalsten Stelle eine 480 Meter lange Brücke gebaut. Wie die ganze Umfahrungsstrasse soll sich auch die Brücke bestmöglich in die Landschaft einfügen. Deshalb verbindet sie die beiden Ufer auf 25 Metern Höhe - das hohe Niveau schützt den Flussraum. Die Brücke ist eine funktionale Betonkonstruktion mit 5 Pfeilern und 2 V-Pfeilern, dank denen keine Flusspfeiler nötig sind und der Uferbereich nicht zu stark beeinträchtigt wird.

Die neue Aarebrücke quert die Aare auf hohem Niveau. (Visualisierungen Swiss Interactive AG)

Der Tunnel Spichigwald

Ausgehend vom Anliegen aus der öffentlichen Mitwirkung zur Verkehrssanierung Aarwangen prüfte das Tiefbauamt des Kantons Bern drei Tunnellängen im Spichigwald.
Am 6. November 2018 gab der Bau- Verkehrs, und Energiedirektor des Kantons Bern, Regierungsrat Christoph Neuhaus, bekannt, dass die kürzeste und damit kostengünstigste Variante des Tunnels umgesetzt wird. Abklärungen hatten ergeben, dass bei den Tunnellängen «mittel» (830 Meter Länge, Zusatzkosten 34 Mio. Franken) und «lang» (1065 Meter Länge, Zusatzkosten 59 Mio. Franken) zwar den Bedarf an Kulturland reduziert, jedoch das Grundwasser (Grundwasserhochstand und Durchflusskapazität) beeinträchtigt worden wäre. Der Entscheid fiel aufgrund der geringen Verbesserungen bei beträchtlichen Mehrkosten.

Swiss Interactive AG
Die Tunnelportale fügen sich wie angeschnittene Halbrohre sich in die Landschaft ein.

Der nun 500 Meter lange Tunnel unterquert den Spichigwald. Ungefähr auf halber Strecke gibt es einen Fluchtweg. Unmittelbar neben dem Nordportal am Waldrand steht die rund 24 Meter lange Betriebszentrale des Tunnels. Sie ist zweigeschossig, jedoch nur eines ist sichtbar. Die Zentrale ist zudem so in das Gelände eingebettet, dass eine Höhe von 1 bis 3.5 Metern sichtbar ist.

Visualisierung Swiss Interactive AG
Die Umfahrungsstrasse führt entlang der Waldbegrenzungen.

Sowohl das Nord- wie auch das Südportal stehen am Übergang zwischen Ackerland und Wald und führen wie angeschnittene Halbrohre harmonisch in den Hügel hinein und hinaus. Mit dieser Anpassung ans Gelände werden die seitlichen Böschungen auf ein Minimum reduziert.

Ersatz-/Ausgleichsmassnahmen

Die geplante Umfahrungsstrasse greift in die Landschaft ein und wirkt sich auf Pflanzen, Tiere und ihre Lebensräume aus. Das Gebiet gehört dank einigen besonders wertvollen Lebensräumen und Arten zudem zum europäischen Netzwerk Smaragd. Aus diesem Grund wird besonderer Wert auf die Umweltverträglichkeit des Projektes gelegt. Vorgesehen sind naturnahe Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen:

  • Für die temporäre und definitive Rodung von Wald wird die gleiche Fläche entweder an Ort und Stelle wieder aufgeforstet oder als Ersatz in der Nähe wieder hergestellt. Es wird darauf geachtet, dass ökologisch wertvolle, einheimische Bäume und Sträucher gepflanzt werden.
  • Für das Aareufer sowie die kleinen Wiesenbäche mit ihren Ufervegetationen sind verschiedene Aufwertungs- und Ersatzmassnahmen geplant: zum Beispiel wird ein 70 Meter langer Abschnitt des Teuffetalbachs offengelegt und bietet mit seinem Ufer neuen Lebensraum von 770m2.
  • Auch werden neue Feuchtwiesen in der Grösse von ca. 5 Fussballfeldern angelegt sowie Baumreihen und Hecken zur Vernetzung der Lebensräume gepflanzt.
  • Mit dem Ziel, den Verlust von Kulturland zu reduzieren, die wertvollen Fruchtfolgeflächen zu erhalten und die Situation für die Landwirte u.a. mit Parzellenbereinigungen zu verbessern, wird ein Parallelprojekt für eine Landumlegung umgesetzt.
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